aufbruch nach Afrika

Namibia ist der Schauplatz meines neuen Projekts, in dem es um Auswanderung, die Suche nach dem Glück im Fremden und das Überleben trotz natürlicher und gesellschaftlicher Widerstände geht. Ich plane diese Geschichte, die 1896 beginnt, bereits seit einem Jahr und stoße bei den Recherchen immer wieder auf Probleme. Doch da mich diese Probleme nur noch mehr anspornen, habe ich nun endlich beginnen können, den Weg meiner Helden und ihrer Gegenspieler mit Leben zu füllen. 

Erzählt wird die Lebensgeschichte dreier Protagonisten. Da ist zum einen Frieda, ein 16-jähriges Mädchen aus Hamburg, das letztendlich überall leben möchte - nur nicht in Afrika. Weit weg von ihren Freunden und dem Mann, für den sie schon so lange schwärmt und ohne den sie glaubt nicht leben zu können. Allerdings lassen ihre Eltern ihr keine Wahl und so muss sie sich in ihr Schicksal fügen, von dem sie sich bitter verraten fühlt.

 

Gleichzeitig bricht der Zimmermann Richard zusammen mit seiner großen Liebe Elisabeth, die er kurz vor der Abreise geheiratet hat, nach Namibia - damals Deutsch Südwest - auf. Die beiden möchten ihren Traum vom großen Abenteuer auf einer eigenen Farm in dem fremden Land verwirklichen. Dafür verlassen sie die elterlichen Höfe, die sie ursprünglich hatten übernehmen sollen.

Und dann ist da noch Delali aus Otjiwarongo, die infolge eines tragischen Unfalls ihren Ehemann verliert und nun darum kämpfen muss, auf eigenen Beinen stehend sich und ihre drei Kinder zu ernähren. Widerstand schlägt ihr dabei nicht nur seitens ihres Schwagers Sane entgegen, der es nicht nur auf sie selbst, sondern auch auf die Ochsen abgesehen hat, die ihre Existenzgrundlage darstellen. 

Die Idee für eine Auswanderer-Geschichte spukt mir schon lange im Kopf herum, weil mich das Thema sehr fasziniert. Im vergangenen Jahr habe ich hierzu bereits ausgiebig recherchiert und beispielsweise das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven besucht. Doch Nord- und Südamerika und auch Australien wurden bereits sehr oft thematisiert, Afrika hingegen fristet eher ein Schattendasein, was sicherlich auch auf die Gräueltaten zurückzuführen ist, die dort durch die Europäer im Allgemeinen und - im Falle Namibias - deutschen Kolonialisten im Speziellen verübt wurden. 

Im Frühjahr 2019 bin ich nach Namibia gereist, um vor Ort die Geschichte zu recherchieren und ein Gefühl für das Land und seine Menschen zu bekommen. Letztendlich war es der Einblick eines Touristen, der wenig vom "echten" Leben mitbekommt. Nichtsdestotrotz hat mich das Land gepackt. Einen Eindruck von seiner Geschichte, die mit der hart erkämpften Unabhängigkeit im Jahre 1989 ihren vorläufigen Höhepunkt fand, konnte ich im Unabhängigkeitsmuseum in Windhoek gewinnen, den Spuren der Kolonialzeit unter anderem im Swakopmund Museum und den historischen Gebäuden überall im Lande folgen. Endgültig verliebt habe ich mich in das Land, als ich eine dreitägige Campingtour in den Etosha-Nationalpark unternahm. Die Natur und Weite Namibias sind atemberaubend und für unsere europäischen Verhältnisse nahezu unvorstellbar. Die Tiere, die ich bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte, in dem großartigen Nationalpark in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, empfand ich als zutiefst berührend. All diese Eindrücke werde ich niemals in meinem Leben vergessen und bin - auch jenseits meines Romans - glücklich darüber, diese Reise erlebt haben zu dürfen.